Ziele machen für Unbegabte – das wirkungsvolle Selbstgespräch

Wolke2

Liebe Zielsuchende,

das Februar-Experiment eignet sich für mehrere Möglichkeiten: Wir können 28 Tage lang ein verändertes Verhalten ausprobieren oder aber uns ein Ziel setzen, welches wir innerhalb von 28 Tagen erreichen wollen. Nun kann es sein, dass das Ziel, welches wir erreichen wollen, zu groß ist, um bereits in 28 Tagen erreicht werden zu können. Was dann hilft, ist das Herunterbrechen in Teilziele. Von diesen wird es sicherlich einige geben, die innerhalb von 28 Tagen erreicht werden können. Der Vorteil: So sind wir dann bereits im Handeln angekommen, sind im Fluß und bekommen Lust auf mehr, Lust auf das Erreichen weiterer Teilziele, auf dem Weg zum großen Ziel.

Speziell für große Ziele möchte ich nachfolgend eine Methode skizzieren. Diese hilft ungemein beim Formulieren eines Zieles, welches aus unserem Inneren kommt und uns größte Befriedigung und Genugtuung verschaffen wird. Denn es ist kein von außen aufgesetztes oder verordnetes Ziel, es ist ein Herzenswunsch.

Ist es nicht eine besondere Ironie des Schicksals, dass vor allem die analytisch Denkenden sich damit am schwersten tun, motivierende, herausragende Ziele zu formulieren? Woran liegt das? Vermutlich genau an dem, was diese Analytiker so besonders macht: an ihrem analytischen, vernunftorientierten Verstand. Dieser ist jedoch nicht nur in der Lage, komplexe Sachverhalte strukturiert zu analysieren und nach der der Situation angemessenen Lösungen zu suchen. Nein, er ist auch genau der, der jedem Hirngespinst das Fürchten lehrt, der jede Blase platzen lässt, jedes Traumgebäude zum Einstürzen bringt. Und das natürlich immer mit der Referenz auf die Vernunft.

Da machen sich dann Gedanken breit wie: „das kann doch nicht sein“, „das geht doch nie“ und/oder „warum soll gerade mir das passieren?“.

So kommen wir aber nicht weiter. Einstein bereits bemerkte, dass sich ein Problem nie durch die Denkweise lösen lässt, durch die es entstanden ist. Was würde helfen? Die Distanz zum Hier und Jetzt, das Dissoziieren von der gegenwärtigen Situation und das Denken vom Ende her. Nur fällt es dem begabten Analytiker leider so schwer, die ihm so lieb gewonnene Realität aus den Augen zu verlieren.

Hier helfen zwei Dinge: Entweder Drogen, die uns dabei behilflich sind, der Realität zu entrücken oder eine Perspektive, auf die unser Verstand keinen Zugriff hat.

Keinen Zugriff in dem Sinne, dass der Verstand es auf Grund der Entfernung nicht mehr vermag, Prognosen über Möglichkeiten und Eintrittswahrscheinlichkeiten anzustellen. Jedem sei der erste Weg zur eigenen Erkundung und Erprobung freigestellt, hier wollen wir uns aber vor allem dem zweiten Weg widmen, da dieser etwas ärmer an ungewollten Nebenwirkungen ist.

Werfen wir mal einen Blick zu den Ingenieuren, wie sie diese Art von Aufgaben lösen: Ein probates Mittel ist das Reverse Engineering. Hier wird ein System beginnend bei seinem Endzustand dahingehend analysiert, wie wohl der Entwicklungsweg hin zu dieser Lösung gewesen sein kann. Dies können wir auf unsere Aufgabenstellung, große Ziele zu formulieren, adaptieren.

Und los gehts. Leider recht morbid und radikal, aber es sagt ja keiner, dass dieser Weg kein gangbarer ist, nicht einmal der verkopfte Analyst. Was wir brauchen, ist ein gehöriger Abstand zu unserer aktuellen Situation.

So groß, dass die Vorstellungskraft unseres inneren Kritikers bei weitem überschritten wird. So, dass er endlich sprachlos ist und ihm nichts anderes übrig bleibt, als staunend zuzusehen und vor allem zuzuhören.

Dies ermöglicht tatsächlich große Ziele, die nicht bereits in der ersten Formulierung vom inneren Kritiker klein gemacht werden. Ziele, die auf Grund der unvorstellbaren großen zeitlichen Distanz auch unvorstellbar groß sein können. Denn wenn wir uns den Weg dahin nicht vorstellen können, hat unser innerer Kritiker auch keine Argumente, warum dieses Ziel zu erreichen nicht möglich sein soll.

Und was ist in unserer Vorstellung weiter entfernt vom Hier und Jetzt als unser eigener Tod? Nicht viel. Also gut, dann nehmen wir halt den.

1. Unsere Grabrede

Also genau gesagt, nicht unsere Grabrede. Sondern die, die auf uns gehalten wird, in dem Moment, als wir an Petrus’ Türe klopfen. Und das ist zeitlich gesehen noch weit hin. Maschinenbauer haben herausgefunden, dass die Konstruktion des menschlichen Körpers mindestens für eine Lebenserwartung von 125 – 150 Jahre ausgelegt ist. Biologen wiederum haben herausgefunden, dass es nur 3 Faktoren gibt, die diese wunderbar lange Zeit verkürzen können, nämlich: unsere Ernährung, also welche Gifte wir zu uns nehmen; den Stress in unserem Leben, also das Maß, in dem wir die Selbstheilungskräfte unseres Körpers nachteilig beeinflussen und die Umwelteinflüsse, also die Gifte, die wir durch unsere Umgebung aufnehmen. Also eigentlich nichts, was wir nicht sofort oder wenigstens ab morgen ändern könnten. Gehen wir also von 150 Jahren aus, stehen allen von uns noch viele Jahre bevor. Jahre, in denen wir alles anders machen können als in den bisherigen Jahren. Wir haben somit sowohl Zeit, Potenzial als auch Ressourcen, um noch einmal gänzlich neu anzufangen. Wir sind alle erst im kindlichen Alter. Wir hatten viel Spaß und haben viele Erfahrungen gemacht. Der große Spaß kommt aber erst noch. Mein persönlicher Plan: mit 120 Jahren einen Salsakurs zu belegen und bis 150 zum Meister der über 100-Jährigen zu werden. Bis dahin habe ich viele andere spannende Dinge auf meiner Agenda. In dieser Geisteshaltung sollten wir alle nachfolgenden Schritte durchführen.

Zurück zur Grabrede: hiermit meine ich nicht das, was wir erwarten, dass es gesagt wird, sondern das, was wir uns wünschen, dass es über uns gesagt werden wird. Was würden wir wollen, dass es über uns gesagt wird? Und gerne von mehreren Personen. Was würde die örtliche Zeitung als Nachruf auf uns schreiben? Was würden ehemalige Kunden und Kollegen über uns sagen? Was würden unsere Kinder, Partner und Geschwister über uns zu berichten haben? Was würden unsere Bewunderer, Feinde und Neider über uns sagen? Was würden die über uns zu berichten wissen, denen wir etwas gegeben haben? Und hier meine ich nicht das Trinkgeld beim letzten Restaurantbesuch sondern schon eher das, wofür sie uns ein Leben lang dankbar sind? Was würde unser Engel über uns sagen? Hier dürfen gerne die drei Dimensionen Körper, Seele und Geist berücksichtigt werden. Wie würde also unser Engel unseren Umgang mit unserem Körper in der besten aller wünschenswerten Arten beschreiben? Wie sind wir mit unserem Geist umgegangen, haben wir ihn wachsen und erfahren lassen? Wie sind wir mit unserer Seele verfahren? Haben wir Ihr Raum zur Entfaltung gegeben?

Und Action: aufschreiben, aufschreiben, aufschreiben! In den größten und höchsten Tönen. Und seid nicht zu zaghaft. Ihr habt alle noch mindestens 100 Jahre vor Euch.

Also mindestens doppelt so viele, wie Ihr bisher ver- und erlebt habt. Da passiert noch viel. Mehr, als Ihr Euch vorstellen könnt. Also los, aufschreiben! Aufmalen! Collagieren! Die ganz Kreativen können natürlich auch vortanzen, wenngleich sie sicherstellen sollten, dass ein Williger ihren Tanz filmt.

2. So, gut gemacht. Und falls nicht, nochmal 3 Seiten voll schreiben. Mit all dem, was Ihr hören wollen würdet. Mit alle dem, was in die nächsten 100 Lebensjahre passt. Und ihr wisst: das ist mehr, als Ihr Euch vorstellen könnt, denn a) habt ihr selbst erst bestenfalls 50 Jahre erlebt, woher wollt Ihr also wissen, was in 100 Jahren erreichbar ist und b) Ihr seid Kinder. Und was wissen schon Kinder über das Leben, …. (hihi…).

3. Also gut, Ihr seid fertig. Ich glaube es nicht und Ihr könntet gut und gerne noch einmal die Runde 2 drehen, aber wir wollen ja weiter kommen: Was wird notwendig gewesen sein, damit all die Betröppelten an Eurem Grab Fug und Recht hatten, all das Wunderbare über Euch zu berichten? Na, was konkret wird es gewesen sein? Ihr wisst es nicht?! Glaube ich nicht! Natürlich wisst Ihr es. Schnappt Euch jeden einzelnen Punkt von 1. und formuliert in allen Kanälen und Qualitäten aus, was es wohl gewesen ist, dass die Grabredner in diesen hohen Tönen von Euch haben schwärmen lassen. Ein Beispiel gefällig? Sehr gerne. Da steht also der Präsident der WHO an Eurem Grabe und ist voll dieses Lobes: Herr X oder Frau Y ist die herausragende Forscherin der letzten hundert Jahre. Ihr oder ihm ist zu verdanken, dass nun endlich die Krankheit A dauerhaft von der Erde verbannt ist und jeder Infizierte ohne Nebenwirkungen geheilt werden kann. Das ist Euch zu groß oder zu hoch? Keinesfalls. Schaut mal in die Bücher, in denen die Entdeckungen von Wirkstoffen beschrieben sind. Kaum ein Entdecker oder Forscher hat mehr als 20 Jahre für eine bahnbrechende Medizin benötigt. Und Ihr habt 100 Jahre. Also sollte eigentlich seine Lobeshymne so klingen: Herr X oder Frau Y ist die herausragende Forscherin der letzten hundert Jahre. Ihr oder ihm ist zu verdanken, dass nun endlich die Krankheiten A, B, C, D und E dauerhaft von der Erde verbannt sind. Das ist die richtige Formulierung. Ihr habt 100 Jahre. Da geht doch was!

Also, frisch an’s Werk. Ihr alle seid Helden. Welche heldenhaften Taten werdet Ihr vollbringen?

Und übrigens, auch das ist heldenhaft: Herr X oder Frau Y vermochte es, durch Ihre überdurchschnittlich hohen geschäftlichen Erfolge über 100 Jahre hinweg 3 Tage in der Woche auf dem Golfplatz zu verbringen, weil ihr oder sein Geschäft so erfolgreich war. Dadurch ist sie oder er uns ein Vorbild, denn sie oder er hat uns dadurch aufgezeigt, dass durch erfolgreiches Wirtschaften die Lebensqualität fast unendlich steigen kann und durch die Aufenthalte auf dem Golfplatz neue Ideen und Geschäftsmodelle zum Wohle aller entstanden sind.

Was auch immer Ihr wollt: Alles ist möglich, alles ist gut. Seid, wer Ihr sein wollt. Ihr habt noch mehr als 100 Jahre Zeit. Da geht doch was!

4. OK, nun haben wir das, was es konkret ist. Der nächste Schritt ist ein Heimspiel für den Analytiker: Was konkret darf Teil meines Lebens sein, damit ich genau dies erreiche? Und jetzt los, da sprudeln doch die Ideen. Wichtig ist, dass Ihr bei 3. so plastisch wie nur irgend möglich formuliert habt. Bei 3. dürfen alle Kindheitsträume ihr zu Hause finden. Die Landung auf dem Mond fand (wenn überhaupt) nur statt, weil Wernher von Braun bereits als Kind von der Mondlandung träumte. Von was träumtet Ihr als Kind? Falls Euch jetzt noch Ideen kommen —> ab zurück zu 3. und noch mal eine Runde drehen. Es lohnt sich.

Also gut, Ihr seid wieder hier gelandet. Nun gut. Dann machen wir mal mit dem Konkreten weiter. Also: was konkret ist der letzte Schritt, der notwendig ist, um dem unter 3. formulierten Zustand zu erreichen? Wenn Ihr den habt: was ist der vorletzte Schritt, der notwendig sein wird, damit Ihr den letzten Schritt gehen könnt. Und so weiter und so fort. Ihr arbeitet Euch also von oben nach unten. Das große Ziel steht, und nun geht es aus der Zukunft zurück in die Vergangenheit, also ins Hier und Jetzt. Schritt für Schritt. Und seid entspannt. Große Ziele erfordern auch große Schritte. Also auch einige Eurer Schritte werden Euch aus der jetzigen Perspektive riesig groß, fast unmöglich vorkommen. Aber Ihr habt ja Zeit. Noch mindestens 100 Jahre.

Es ist also keine Eile geboten. Das einzig wichtige ist, dass die Richtung stimmt. 3. zeigt Euch die Richtung, in 4. definiert Ihr die Schritte da hin, allerdings beim Ziel beginnend und nicht beim Start. Schreibt los. Der letzte Schritt wird der sein, den Ihr heute oder spätestens morgen tun könnt. Dieser Schritt bringt Euch Eurem unter 3. beschriebenen Ziel ein Stückchen näher.

5. Just do it! So, jetzt wird es ernst, wenngleich es vorher nicht unernster war: jetzt geht es los. Unter 1. habt Ihr Euer großes Ziel umfangreich und in allen Details beschrieben. Unter 3. habt Ihr konkrete Hinweise, was Euch zu diesem Ziel bringt (der Oberanalytiker würde dazu „Strategie“ sagen). Unter 4. sind die Maßnahmen beschrieben, die Eurer Strategie und damit Euren Zielen dienlich sind. Na wunderbar. Dann hätten wir ja alles.

Und falls Eurer innere Kritiker kommt: Ihr dürft ihn gerne beschimpfen, und zwar mit Recht: „Halt’ Deinen Mund, Du hast keine Ahnung. Das einzige, was Du weißt, basiert auf den Erfahrungen der letzten paar Jahre. Hier geht es aber um etwas größeres. Hier geht es um mein Leben! Um die nächsten 100 Jahre! Du Zwerg hast überhaupt keine Ahnung von der Zukunft. Also lass mich mit Deinen reaktionären Gedanken in Ruhe. Ich gestalte hier Zukunft. Meine Zukunft. Und wenn Du Teil von dieser sein willst, dann hilf mir, kreative, innovative, spannende Wege zum Ziel zu finden statt mich mit Deinen Geschichten über Vergangenes zu langweilen, die keiner mehr hören will! Unterstütze mich oder verschwinde!“.

Zu guter Letzt noch einmal die Quintessenz: Nicht vor den Berg stellen, so dass sofort der beschwerliche Aufstieg ins Auge fällt, bei dem zu jeder Stufe des Aufstiegs unserem inneren Kritiker ein Grund einfällt, warum das nicht geht, nie passieren wird oder wir nicht gut genug sind. Besser stellen wir uns hinter den Berg, so dass als erstes die Anmut des Gipfels im Sonnenlicht unsere Aufmerksamkeit fesselt. Unverstellt auf das Ziel, ohne der Vorwegnahme der zu gehenden Schritte. Und dann den Abstieg planen, der in umgekehrter Reihenfolge unser Aufstieg zu unseren größten Zielen sein wird.

That’s it. Ich wünsche allen vermeintlich Unbegabten maximale Erfolge und gutes Gelingen. Und genau die oben formulierten Schritte passen in dieses Experiment. Teilt Sie im Forum mit, macht sie verbindlich, macht Euch verbindlich. Dadurch geht Ihr einen Vertrag mit Euch selber ein. Tauscht Euch aus über die geplanten Ziele und Vorhaben und findet in der Diskussion mit anderen Inspiration, Motivation und Rückhalt. Dafür ist das Experiment gedacht und gemacht.

Allerbeste Grüße

Marcel

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