Das Triptychon der Realität, oder: Auf die Haltung kommt’s an

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Für alle, die sich noch schwer damit tun, Ziele zu formulieren, große Ziele zu formulieren, die sie tatsächlich motivieren und jeden Tag voller Neugierde und der Lust auf das Gelingen kraftvoll beginnen lassen.

Liebe Zielsuchende,

meinem Beitrag „Ziele machen für Unbegabte – das wirkungsvolle Selbstgespräch“ hätte dieser hier sehr gut vorangestellt sein können. Vielleicht wäre es dann einigen von uns (mich eingeschlossen) leichter gefallen, nicht nur zu verstehen sondern auch zu fühlen, wie sinnvoll, wertvoll und erleichternd es sein kann, um den Berg herum zu gehen und nicht uns durch den Anblick des beschwerlichen Aufstieges entmutigen zu lassen sondern das sonnengebadete Antlitz des Gipfels zu genießen und dann, vollkommen losgelöst von den Ansagen unseres inneren Kritikers, den Abstieg und damit den Aufstieg zu planen.

Einen Gedanken möchte ich zu dieser Sichtweise noch hinzufügen, der es nochmals erleichtert:

Stellt Euch vor, Ihr werdet gekidnappt. Von Außerirdischen oder besser noch von Eurem eigenen Engel. Also von jemandem, der gut zu Euch ist und der nur gutes für Euch will. Und diesem Schelm fällt nichts besseres ein, als Euch mit einem Sack über dem Kopf (bei Damen mit aufwändigen Frisuren wird auch eine Augenbinde ausreichend sein) in einen Hubschrauber zu verfrachten. Ihr werdet vorschriftsmäßig angegurtet und der Hubschrauber hebt ab. Das einzige, was Ihr mitbekommt ist, dass der Hubschrauber ständig an Höhe gewinnt. Nach einer Weile setzt er ab, die Tür wird geöffnet und Ihr werdet ins Freie geleitet. An dieser Stelle lässt Euer Entführer Gnade walten und nimmt Euch wahlweise den Sack oder die Augenbinde ab. Voller Verzückung schaut Ihr um Euch. Heller, strahlender Sonnenschein. Frische und klare Luft strömt in Eure Lungen beim Einatmen, Raureif bildet sich beim Ausatmen für Eurem Gesicht. Ihr seid auf dem Gipfel Eurer Träume und Ziele!

Und nun kommt die Ansage Eures Entführers / Engels:

„Auf dem Gipfel zu bleiben, ist keine Option. Die Sonne geht in 3 Stunden unter und in der Nacht wird es kalt. Der Hubschrauber fliegt in einer Stunde wieder zurück, denn weitere Zielsuchende müssen auf die Gipfel ihrer Träume geflogen werden. Du hast jetzt also eine Stunde Zeit, Deinen Weg von hier oben hinunter zu Deinem Hier und Jetzt zu planen, damit Du ihn, falls Du nochmal den Gipfel Deiner Träume besteigen und erreichen möchtest, in umgekehrter Reihenfolge gehen kannst. Was also wird der letzte Schritt gewesen sein, bevor Du den Gipfel erreichen kannst? Und welcher Schritt wird es gewesen sein, der den letzten erst ermöglicht hat? Und so weiter und so fort….“

Frisch ans Werk! Schreibt auf, wie Ihr den Gipfel verlassen wollt. Durch Euren Aufschrieb wird es Euch leicht möglich sein, durch das Befolgen der Schritte in umgekehrter Reihenfolge wieder den Gipfel zu erklimmen. Und das nächste Mal mit Ausrüstung, damit Ihr bleiben könnt, so lange Ihr wollt.

So, und nun zum Thema von heute, dem Triptychon der Realität.

Vorab möchte ich noch etwas zu meinem Ziel sagen, warum ich überhaupt meine, dass es lohnenswert ist, diese teils doch sehr verschrobenen Gedanken in schriftlicher Form festzuhalten:

Ich möchte einen Beitrag leisten, damit jedem, auch mir, es möglich ist, eine günstigere Haltung im Bezug auf seine/unsere Ziele einzunehmen. Unumgänglich ist die Haltung für Verhaltensveränderungen.

Speziell für die Verkopften, und zu denen zähle ich auch mich selbst, möchte ich Methoden anbieten, mittels denen es leichter ist, diese Haltung einzunehmen. Wenn auch der analytische Verstand in seinen Bedürfnissen und Ansprüchen befriedigt ist und all dem zustimmen kann, weil es für ihn stimmiger ist, werden wir uns leichter tun, aus der richtigen Haltung heraus erfolgreicher zu sein.

Folgende Haltungen sind mir begegnet, begegnen mit noch immer und beobachte ich auch bei mir selbst:

  • … das weiß ich doch schon alles, wozu also der Hokuspokus mit den komischen Methoden?…
  • … geht doch eh nicht. Alles viel zu groß…
  • … brauche ich nicht und wirkt nicht bei mir, nicht an dieser Stelle oder nicht in dieser Situation …

Ja eben, verstanden haben wir es schon. Nur funktioniert es nicht, wenn wir nicht aus einer bestimmten Haltung heraus die Methoden praktizieren. Wir haben gelernt, das Wirkungsvollste ist das Gefühl, welches wir dabei haben. Und bei Verkopften ist das halt nicht immer zwangsläufig präsent, wenngleich die Methode verstanden wurde. Dann wird das Anwenden einer Methode zur mechanistischen Handlung und nicht zu einer, die unsere Empfindungen, unsere Gedanken über uns selbst und damit unser Verhalten verändert.

Meine Beobachtung: Sobald die Haltung stimmt, funktioniert viel mehr und vieles mehr. Auch in vorher als untauglich klassifizierten Situationen. Warum uns also diese Möglichkeiten selbst verwehren, wenn es „nur“ an der Haltung liegt? Denn die Methoden kennen und können wir ja. So richtig wirksam sind sie aber erst, wenn wir sie auf Basis einer günstigen Haltung durchführen. Es ist nicht meine Absicht, neue Methoden zu entwickeln. Vielmehr ist mir an Methoden gelegen, mittels denen wir auf unsere Haltung einwirken können, so dass uns Ziele vorstellbar werden und wir sie für erreichbar halten.

Und nun endlich zum Triptychon:

Unsere Realität ist das, wie wir Wahrgenommenes bewerten. Wenn wir Ziele haben, wollen wir also eine andere Realität als die, die gerade stattfindet. In diesen Zustand führen zwei Wege:

1. Das Wahrgenommene anders bewerten oder

2. dafür zu sorgen, etwas anderes wahrnehmen zu können.

Zu letzterem gibt es noch einmal zwei Möglichkeiten:

2.1 entweder wir nehmen etwas wahr, was bereits ist und wir bisher noch nicht wahrgenommen haben, oder

2.2 wir erschaffen etwas neues, so dass wir es wahrnehmen können.

Für 1. ist Reframing vermutlich die beste Methode. Auch Ho’oponopono bietet sich hier förmlich an. Für 2.1 wird alles, was unsere Achtsamkeit und unser Gewahrsein vorhandener Ressourcen erhöht, zielführend sein. Ich möchte mich hier auf den Punkt 2.2 fokussieren, also etwas zu erschaffen, was heute noch nicht Bestandteil unserer Realität ist, kurz gesagt: RealityCreation. Allerdings geht es mir nicht um diese Methode sondern vielmehr um die Haltung, aus der heraus wir diese ausführen. Eine Variante dieser Methode habe ich im oben genannten Beitrag beschrieben, denn jede RealityCreation ist sinnfrei, wenn sie nicht auf ein Ziel ausgerichtet ist. Der erste Beitrag hatte daher den Weg zur Zielformulierung im Blick, dieses Papier die Haltung, aus der heraus wir das Ziel  bestenfalls formulieren sollten.

Wenn unsere Realität die Bewertung unserer Wahrnehmungen ist, dann können wir dies auch auf Tun, Haben und Sein reduzieren. Wir tuen etwas, wir haben etwas und wir sind etwas. Die Frage, wer wir meinen zu sein, wird vor allem dadurch beantwortet, wie wir das, was wir tun, was wir haben und was oder wer wir sind, bewerten. Die Bewertung selbst scheint also der Schlüssel für dimensionale Unterschiede zu sein. Wie sonst wäre zu erklären, dass manche Urvölker ohne Handy, Internet und Klimaanlage sich glücklicher fühlen als so mancher Einwohner von Boston, Berlin oder Buxtehude, obwohl jenen alle diese Annehmlichkeiten zur Verfügung stehen?

Daher erscheint es mir als sinnvoll und zielführend, den Ausgangspunkt unserer Bewertungen zu betrachten. Als unermesslich anstrengend und nicht sonderlich erfolgreich empfinde ich alle Versuche, das Hier und Jetzt anders zu bewerten, ohne die Bewertungskriterien zu verändern. Denn das, was auf diesem Wege als einzige Option entsteht, ist anders zu handeln ohne anders wahrzunehmen. Und ich glaube, genau das haben wir ausreichend viele Jahre lang versucht und dürften durch den ausbleibenden Erfolg geheilt sein von der Hoffnung, genau dadurch zum Ziel zu kommen oder ein Ziel formulieren zu können. Hier noch einmal Einstein: „Ein Problem kann nicht durch die Denkweise gelöst werden, durch die es entstanden ist.“

Wie also dann? Schauen wir uns einmal Tun, Haben und Sein in einem systemischen Kontext an und vor allem, wie die Beziehungen zwischen diesen drei realitätsgestaltenden Zuständen sind:

Tun, Haben und Sein bilden ein Dreieck oder, wer es lieber mag, einen Kreis.

Triptychon

So, wie wir die Welt meistens versuchen zu gestalten, ist die folgende Reihenfolge: Tun, Haben, Sein.

Wir tun etwas, um etwas zu haben, um etwas zu sein. Etwas plastischer: Wir arbeiten (Tun) um uns ein bestimmtes Auto leisten zu können (Haben) um vom Nachbarn Anerkennung zu bekommen (Sein). Wozu führt das? Wir kommen zum Haben und zum Sein aus den Möglichkeiten, die wir meinen, heute für das Tun zu haben. Will heißen: Unsere Erfahrung mit dem Jetzt und Hier prägt unsere Vorstellungskraft darüber, was wir tun können und auch darüber, was eben nicht. Mit dem Resultat, dass unsere Vorstellungen darüber, was wir haben könnten und wer oder was wir sein könnten auch durch die Limitierungen unseres aktuellen Tuns bestimmt und damit begrenzt sind.

Wie nun aber aus diesem Dilemma ausbrechen: Indem wir nicht beim Tun beginnen, sondern beim Sein. Indem wir uns vorstellen, wer oder was wir sein können, werden wir weit mehr Möglichkeiten für unser Tun sehen und dadurch Chancen in einer Weise erhalten und haben, die verblüffend, überwältigend und neu sind. Der Start beim Sein ermöglicht, dass wir Dinge tun, die wir vorher nicht für möglich hielten und dadurch in einer ungeahnten Weise erhalten.

Durch die Reihenfolge Sein, Tun, Haben beginnen wir beim Ziel, beim Ende des Prozesses. Die Formulierung dessen, wer oder was wir seien wollen (Hinweise zur Umsetzung befinden sich im vorangegangenen Papier) befördert uns in eine Haltung, die erst das Tun denkbar macht, welches notwendig ist, um über das Haben zum gewünschten Sein zu kommen. Auf das Ziel vom ersten Moment an konzentriert zu sein, bringt uns ins Sein. Aus diesem leiten wir das Tun ab.

So sieht dann die günstigere Reihenfolge plastisch aus: 1. Wer oder was will ich sein? 2. Was ist dafür zu tun oder muss dafür passieren (idealer Weise auch hier vom Ende her denkend)?, 3. Was werde ich dadurch haben (und hier neben dem 8-Zylinder natürlich auch Erfahrungen, Wissen, Fähigkeiten)?

Das wunderbare, glückseeligmachende daran ist: So entrinnen wir einem Kreislauf, der dadurch gekennzeichnet ist, dass man nach einer Umrundung wieder am Anfang steht. Wir gelangen so in eine Spirale, die sich nach oben schraubt. Denn nach jeder Umrundung gelangen wir in ein neues, größeres und erweitetes Sein, welches die Vorstellungskraft für neues Tun immens erweitert. Jede Runde trägt so zu unserem eigenen Wachstum bei. Raus aus dem Hamsterrad, rein in die Glücksspirale!

That’s it. Ich wünsche allen vermeintlich Unbegabten maximale Erfolge und gutes Gelingen.

Allerbeste Grüße

Marcel

 

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